Alle Vorstellungen dieser Spielzeit entfallen aufgrund der Corona-Krise

Um der Ausbreitung des Corona-Virus entgegenzuwirken, enfallen alle Vorstellungen bis zum Sommer 2020. 

>Mehr

"Eine Frau, die niemals ihr eigenes Leben lebt"

Große Kunst im kleinen Haus: Premiere von „Clara Schumann – Die Patriarchin“ im Bandhaus-Theater Backnang endet mit stehenden Ovationen. Backnanger Kreiszeitung vom 02.12.2019

>Mehr

"Wunderbares aus der Wunderbar"

Das Publikum feiert die neue Produktion des Backnanger Bandhaus-Theaters mit Leslie Roehm, Sarah Finkel und Georg Lorenz. Aus der BKZ vom 25.02.2019.

>Mehr

Aktuelles

Backnanger Bürgerbühne e.V.

Auf dem Marktplatz der Kommunikation

 

Bürgerpreis-Kandidaten 2018: Die Backnanger Bürgerbühne mischt sich ins Stadtgespräch ein

 

2013 war die Geburtsstunde der Backnanger Bürgerbühne am BandhausTheater. Innerhalb kurzer Zeit gab es ausverkaufte Vorstellungen, immer mehr Mitspieler und Helfer. 2016 entschloss man sich zur Organisationsform eines Vereins. Fünf Produktionen und rund 100 Aufführungen gab es bisher. Die Amateurdarsteller sind zwischen 17 und 80 Jahre alt – es ist also ein Projekt, das Generationen zusammenführt.

 

Von Ingrid Knack

 

BACKNANG. Das Bandhaus-Theater und die Backnanger Bürgerbühne sind in der Mitte der Stadtgesellschaft angekommen. Sie sind zu einer Art Kommunikationszentrale für Menschen geworden, die sich nicht nur fürs Theaterspielen, sondern auch für gesellschaftliche beziehungsweise gesellschaftspolitische Themen interessieren. Besonders freut die Vereinsvorsitzenden, dass die Theaterbesucher noch nach den Aufführungen bleiben. Serina Wiesenthal, Zweite Vorsitzende: „Mittlerweile ist im Foyer so viel los, dass man kaum mehr durchkommt. Es entwickelt sich ein Fanklub.“ Das Gespräch sei für beide Seiten wichtig, denn auf dem „Marktplatz der Kommunikation“ sei ein Theater als Ort der Debatte außerordentlich wichtig, heißt es in der Bewerbung. „Davon sind wir Teil und dabei wirken wir mit. Wir bemerken eindeutig, dass das Bandhaus-Theater als Marktplatz dieser Debatte innerhalb der Stadt recht schnell eine bedeutende Position erreicht hat.“ Zusammenhalt werde ja nicht durch eine friedliche Übereinstimmung aller erzeugt, sondern durch die Reibung der Diskussion. „Wir haben das als spielende, generationsübergreifende Theatergruppe neben allem Unterhaltungscharakter immer als besonders bedeutsam empfunden: Dass wir mit Unterhaltungsstücken, aber auch mit stadthistorischen und gesellschaftsanalytischen Versuchen beitragen zur Kommunikation innerhalb der Kommune.“

 

Neben den Produktionen für die Bürgerbühne („Ein Fußballabend – Das Spiel dauert 90 Minuten“ über 50 Jahre Bundesliga, Brechts „Dreigroschenoper“ über die Zusammenhänge von Ökonomie und Moral, Shakespeares „Was ihr wollt“, das Schauspiel „Pension Schöller“ sowie die Kriminalkomödie „Arsen und Spitzenhäubchen“) macht die Bürgerbühne, die nach wie vor Bestandteil des Bandhaus-Theaters ist, auch bei dessen Amateurtheaterprojekten in Form von Dokumentartheatern mit. Serina Wiesenthal: „Es gibt einen regen Austausch – auch von Schauspielern.“ Zum Beispiel beim preisgekrönten Stück „Kannst du schweigen? Ich auch!“ über die Ermordung vermeintlich kranker Backnanger Bürger in Grafeneck während der Nazidiktatur oder bei „Arm&Reich“, einer ökonomischen Gesellschaftsanalyse. Dabei werde darauf geachtet, die Leute aufzurütteln, sie aber nicht mit dem schweren Stoff zu erdrücken, so Vereinsvorsitzende Mieke Müller-Nielsen. Außerdem erinnert sie daran: „Bei der ,Judith von Backnang‘ haben wir ebenso mitgewirkt. Nicht nur als Komparsen, einige von uns hatten auch eine Sprechrolle.“ Darüber hinaus gibt es die „Junge Bürgerbühne“, die mit jüngeren Darstellern um Weihnachten herum Stücke für ein jüngeres und ein Familienpublikum spielt. Bisher war in dieser Reihe „Der kleine Prinz“ nach Antoine Saint-Exupéry zu sehen. „Man muss nicht Mitglied im Verein sein, um mitspielen oder helfen zu können“, erklärt Wiesenthal. Derzeit engagieren sich rund 60 Menschen ehrenamtlich für die Bürgerbühne.

 

Vieles läuft hinter den Kulissen ab. Schon allein die Bühne auf- und abzubauen sei viel Arbeit, sagt Wiesenthal. Andere wiederum übernehmen bei den Vorstellungen den Thekendienst. „Was auch super weiterhilft.“ Doch es gibt viele weitere Aufgaben – auch außerhalb des Theaters. Die Bürgerbühne ist etwa beim Straßenfest präsent, am Bandhaus-Theater-Infostand beim Neubürgerempfang und bei Stadtfesten. Oder auch im künstlerischen Betriebsbüro des Bandhaus-Theaters. Monatlich können so zwischen drei und 30 Stunden ehrenamtliche Arbeit zusammenkommen.

 

Dass ein Verein innerhalb der Bandhaus-Theater-Arbeit gegründet wurde, hängt nicht nur damit zusammen, dass die Bürgerbühnen-Truppe immer größer wurde. Einer der Gründe ist die Möglichkeit, Förderungen beantragen zu können.

 

Die Bürgerbühne ist Mitglied im Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg. Die Mitgliedsbühnen profitieren von den Serviceleistungen des Verbands, dem Fortbildungsangebot sowie der Chance, Netzwerke und Freundschaften in der Region zu knüpfen.

 

„Wie bei einem Zahnrad greift alles ineinander“

 

Der Erfolg liegt sicherlich auch daran, dass alles sehr professionell aufgezogen wird. Die Regisseure und Bühnenbildner sind Profis. Und bis hin zu den Flyern und Plakaten soll alles so perfekt wie möglich sein – wieder haben die Bandhaus-Theater-Verantwortlichen dabei ihre geschickten Hände im Spiel. Mieke Müller-Nielsen: „Wie bei einem Zahnrad greift alles ineinander.“

 

Viele sind durch die Backnanger Bürgerbühne erst im Erwachsenenalter zum Theaterspielen gekommen. Andere wiederum lernen schon in jungen Jahren, was es bedeutet, sich für eine Sache voll und ganz zu engagieren – ob Jung oder Alt, wer sich einbringt, entwickelt sich selbst weiter. Ganz zu schweigen von dem, was die Bürgerbühne-Aktiven durch ihre Arbeit an die Zuschauer weitergeben – von Anstößen zum Nachdenken bis hin zu Spaß an den Einfällen der Theaterleute. Auch weiterhin möchte die Bürgerbühne mit Mitteln des Amateurtheaters Menschen aus der Region zusammenzubringen, um gemeinsam Theater zu spielen. Mit ihren Stücken will sie obendrein etwas über die Gesellschaft und die Gegenwart erzählen. „Das Theaterspielen ist immer, nicht nur innerhalb der darstellenden Gruppe, sondern auch nach außen, Arbeit mit und an der Empathie von Menschen“, heißt es in der Bewerbung für den Bürgerpreis.

  

In einer Serie stellt unsere Zeitung die acht Kandidaten vor, die beim Bürgerpreis Rems-Murr für den Leserpreis der Backnanger Kreiszeitung und der Murrhardter Zeitung nominiert sind. Ab 16. Juni können die Leser abstimmen und ihren Favoriten wählen.

 

Quelle: Backnanger Kreiszeitung Stadt & Kreis, 08.06.2018

Zurück