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Aktuelles

Freiluft-Theaterspiel zum Jubiläum „950 Jahre Backnang“

Lovestory, Luststück und die Glaubensfrage

Freiluft-Theaterspiel zum Jubiläum „950 Jahre Backnang“ – Die Handlung dreht sich um eine Friedensheirat und allerlei Menschliches.

 

Von Matthias Nothstein

 

BACKNANG. Mit zahlreichen Aktivitäten und Veranstaltungen möchte die Stadt das Jubiläum „950 Jahre Backnang“ begehen. Im Mittelpunkt steht dabei das Freiluft-Theaterspiel „Judith von Backnang“, das vom Bandhaus-Theater auf die Beine gestellt werden soll. Jasmin Meindl, eine von zwei Theater-Leiterinnen, stellte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats den Inhalt des Stücks vor und machte mit ihrer Schilderung Lust auf einen Besuch des Jubiläumsstücks.

 

Noch ist das Theaterstück nicht fertig geschrieben, aber die Rahmenhandlung steht laut Meindl. So kommen in dem Stück drei vollkommen verschiedene Paare vor, die drei Ebenen ermöglichen: Eine Liebesgeschichte, ein Lustspiel, und eine ideologische Auseinandersetzung. Für das Textbuch verantwortlich ist neben Jasmin Meindl auch der Dramaturg und freie Autor Christian Muggenthaler.

 

Für die Lovestory ist Paar Nr. 1 zuständig: Markgraf Hermann von Baden und Judith von Backnang. Meindl glaubt, dass das ungleiche Paar sich vermutlich auch all die Fragen gestellt hat, die uns heute durch den Kopf gehen würden, wenn zwei fremde Menschen plötzlich ein Paar sind, bloß weil es der Wille der Mächtigen oder der Eltern ist. Fragen wie etwa: „Wie begegne ich einem Menschen, den ich überhaupt nicht kenne, mit dem ich aber jetzt verheiratet bin?“ Zwei starke, aber völlig unterschiedliche Charaktere treffen aufeinander. Bevor es zu einer Annäherung kommt, müssen einige Konflikte ausgetragen werden. Wie genau, das will sich Meindl über Weihnachten überlegen. Nur so viel weiß sie schon: „Am Anfang knallt es. Das hätte auch ein Paar aus dem Denver-Clan sein können.“

 

Gleiches gilt für das Paar Nr. 2, das für die Ebene Luststück zuständig ist. Lieblinde ist die Dienerin Judiths, Bertschi ist der Diener des Markgrafen Hermann von Baden. Lieblinde soll eine eigentlich herzensgute Frau sein, die aber keineswegs so aussieht, wie ihr Name es verspricht. Sie ist resolut und würde für Judith mindestens durchs Feuer gehen. Bertschi ist ein Spaßvogel, dessen einziger Lebensinhalt darin besteht, zu essen, zu trinken und Arbeit, wo immer es geht, zu vermeiden. Es ist ihm der allerliebste Zeitvertreib, sich mit Lieblinde zu streiten und sie in den Wahnsinn zu treiben.

 

Ganz nüchtern hingegen Paar Nr. 3, der Probst und der Architekt. Bei den beiden geht es um Machtfragen und darum, wer sich letztendlich beim Markgrafen durchsetzen kann. Siegt der Glaube oder die Gewalt oder keins von beiden?

 

Das Bandhaus Theater hat es zu einem seiner Ziele gesetzt, Phasen der Lokalgeschichte theatral umzusetzen. Dazu gehört nun auch das Sichbefassen mit einer frühen Zeit des Ortes, konkret mit der Gründung Backnangs vor 950 Jahren und die Gründung des Augustinerchorherrenstifts vor 900 Jahren. Judith von Backnang entstammte dem Backnanger Herrschergeschlecht der Hessonen. Zusammen mit ihrem Gemahl Hermann von Baden sind die beiden im Jahr 1116 die Gründer des Augustinerchorherrensifts.

 

Die Menschen im Mittelalter waren stark religiös geprägt. Die Zeit im 11. und 12. Jahrhundert ist auch deshalb interessant, weil es in der Zeit eine Reformklosterbewegung gab und den Investiturstreit. Bei Letzterem ging es um die Frage, wer die Geistlichen einsetzen darf. Der Papst oder der König. Die Kirche wollte, dass die Bischöfe wieder zurück zum Ursprung gelangen. Dass sie sich um die Gemeinschaft der Gläubigen und die Seelsorge kümmern. So wie später Luther auch oder Papst Franziskus heute geht es auch um die Rückbesinnung zum Ursprung. Die Könige wollten das aber nicht, sie wollten lieber die Bischöfe für die Verwaltung einsetzen.

 

Damit sich der Konflikt nicht weiter zuspitzt, wurde, so legt zumindest die Geschichtswissenschaft nahe, die Ehe zwischen dem Markgrafen Hermann und Judith von Backnang gestiftet. Judith stammt aus dem Herrschergeschlecht der Hessonen, die eher papsttreu waren. Hermann stand auf der Seite der Königlichen. Es war wohl eine Friedensheirat, die den Konflikt entschärfen sollte.

 

Quelle: Backnanger Kreiszeitung Stadt & Kreis vom 21.12.2016

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