Liebes Publikum

Die neue Spielzeit Herbst/Winter 2017 hat begonnen! Sie finden den aktuellen Spielplan auf unserer Homepage und in Kürze liegt dieser auch in Backnang und Umgebung aus. Gerne informieren wir Sie auch per Newsletter über unsere anstehenden Veranstaltungen.
Zum Grußwort der Spielzeit 2017/18

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Dreigroschenoper NEUE TERMINE IM HERBST

In der neuen Spielzeit 2017/2018 gibt es aufgrund des großen Erfolges weitere Auführungstermine der Dreigroschenoper. Karten sind ab sofort erhältlich!

Aktuelles

Verbesserungsvorschlag an den lieben Gott

Backnanger Kreiszeitung, 19.01.2015

BACKNANG. Mit einem „Verbesserungsvorschlag an den lieben Gott“, das Leben rückwärts zu leben, bis es dann im Schoße einer Frau endet, schließt Thomas Freitag mit einer kleinen, aber äußerst amüsanten „nachgeworfenen“ Zugabe sein Gastspiel im Bandhaus. Dann setzt er sich genüsslich an den Tisch auf der Bühne, hebt den Kopf und bittet, verbunden mit dem Verkauf diverser DVDs, zur Audienz. Der Künstler wird von Besuchern umlagert – darunter Wegbegleiter aus Freitags Backnanger Zeit.

„Wir hätten auch einen dritten Abend voll bekommen“, freut sich Jasmin Meindl vom Theater. Kein Wunder, Freitag ist nicht nur in Backnang beliebt, sondern auch bundesweit ein gefragter Bühnenmann, zurzeit steht er praktisch jeden zweiten Tag auf einer Bühne zwischen Travemünde und Stuttgart.

Das Programm „Nur das Beste – Jubiläumsedition“ sind Lieblingsszenen des Kabarettisten aus den vergangenen 40 Jahren, das jetzt Premiere feierte. Gemeinhin pflegt der Mime Premieren im Düsseldorfer Kom(m)ödchen anzusetzen. So gesehen hat der in Backnang zur Schule gegangene Satiriker das kleine, feine Bandhaus-Theater mit zwei Vorstellungen am Wochenende in seiner Heimatstadt in gewissem Sinne zu höheren Weihen verholfen, es förmlich geadelt.

Das Publikum dankt es ihm. Und diskutiert rund um die Vorstellung, was eben an diesem Ort, im ehemaligen Schul-Fahrradkeller, der später zur Kleinkunstbühne wurde, vor Urzeiten alles ab-, oder auch in die Kehlen hineingelaufen ist. Einer erinnert sich sogar noch ganz genau an das Gesicht des damaligen Hausmeisters.

Viele fühlen sich dem glücklicherweise der Stadt nicht ganz verloren gegangenen Sohn Thomas Freitag stark verbunden. Es herrscht eine schöne Atmosphäre im Bandhaus. Und so stehen die Menschen im ein wenig vergrößerten Foyer vor Beginn, in der Pause und auch nach der Vorstellung beim gepflegten Palaver zusammen und geben dabei gerne mit Freitag verbundene Anekdoten mit einer Verve zum Besten, als würden sie das erste Mal erzählt.

Hautnah erlebt das Publikum die Mimik und die gewohnt aberwitzigen Wortkanonaden Freitags, dem es letztlich um Bildung („Ich mach dich Krankenhaus“) und gesellschaftlichen Anstand geht. Der hat naturgemäß mit Politik zu tun.

Leute wie Ursula von der Leyen, „die Kampfdrohne aus Hannover“, oder Verkehrsminister Alexander Dobrindt („...wo doch jeder weiß, dass der ein Rad ab hat“) haben ebenso ihre Auftritte wie die Altmeister Wehner, Brandt und Strauß. Auch der Experte in Sachen Wurst und Kartoffel, der „Fritten-Sigi“, kommt zu Wort und beklagt den Vormarsch militanter Gesundheitsfanatiker: „Unsere Kultur wird von Salatisten bedroht“. Eine angesichts der jüngsten Entwicklungen und Vorfälle nicht nur absurde, sondern auch bittere Pointe.

Zudem weiß Freitag um die Wirkung des Philosophen Richard David Precht („Precht ist für die Philosophie das, was die Alliierten für Dresden waren“). Oder um die Fähigkeiten moderner Navigationssysteme: „Ich will nach Rielingshausen“, führt Freitag exemplarisch an. „Da rechnet der mir nicht die Strecke aus, sondern fragt: ,Sag mal, bist du bekloppt, was willst du denn da?‘“

Dann der fabelhafte, schon legendäre Dauerbrenner – auch so bleibt Marcel Reich-Ranicki unsterblich – zum Schluss: „Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen“.

Das Publikum ist aus demselben.

Es ist schön zu sehen, dass auch Menschen, die Freitags Anfänge allein ihres Alters wegen nicht mitbekommen haben können, mal bewundernd und staunend, mal Tränen lachend, applaudieren. Ein Beweis für die zeitlose Klasse der Kunst dieses Mannes.

Brandaktuelles wie Pegida wird in dieser Sonderedition nur gestreift. Die aktuelle Zeit durch Freitags Brille miterleben zu dürfen? Viele können es kaum erwarten. 2016 wird’s soweit sein.

Von Thomas Roth 

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